Jesus spricht: Ich bin/Teil 2
Ich bin das Licht der Welt
Zweimal sagt Jesus von sich selber: Ich bin das Licht der Welt. Er stellt sich vor: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Dieses Wort trifft auf den heftigen Widerspruch seiner Gegner (Joh 8,13-30). Er sagt noch einmal: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 9,5) und er leitet so die Heilung eines Blindgeborenen und seinen Streit mit den Pharisäern ein (Joh 9,6-41). Jesus spricht auch von seinem Kommen: „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt“ (Joh 12,46).
Im irdischen Leben ist die Sonne das Licht der Welt. Nur in ihrem Licht ist es möglich, alles in der Welt in seiner wirklichen Gestalt und Farbe zu sehen; ohne Licht ist alles in gleicher Weise schwarz. Nur in ihrem Licht können wir uns orientieren und den Weg wählen, der zum Ziel führt, können Irrwege und Abstürze vermeiden. Die Sonne verbindet mit dem Licht die Wärme; nur sie macht es möglich, dass Leben wachsen kann. Wo sie fehlt, ist die Kälte und Starre des Todes.
Jesus vergleicht sich mit der Sonne, um so seine Bedeutung für uns Menschen und für unser Leben auszudrücken. Die Sonne ist unverzichtbar für das irdische Leben, ihre Bedeutung ist aber auch auf dieses Leben beschränkt. Die Bedeutung Jesu ist größer, weil er über das irdische Leben hinausführt.
Der rechte Weg
In unserem Leben bewegen wir uns auf verschiedenen Wegen. Nicht alle Wege sind gut; ein Weg kann auch in die Irre oder zum Absturz führen. Jesus verspricht den rechten und sicheren Weg. Er sagt: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen“ (Joh 8,12). Der Weg, den Jesus selber geht, ist der gute und sichere Weg. Jesus lädt uns ein, ihm auf seinem Weg zu folgen und dann mit ihm das unvergleichliche Ziel seines Weges, die vollendete Gemeinschaft mit Gott, seinem Vater, zu erreichen.
Die Kenntnis Gottes
Auch mit ihrem hellsten Strahlen kann die Sonne Gott nicht sichtbar machen; er bleibt dem irdischen Licht und den irdischen Augen verborgen. Dagegen sagt Jesus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Jesus und Gott, der Vater, sind so vollkommen miteinander verbunden, dass der Vater durch den Sohn sichtbar wird. Jesus in Person ist die Sonne, die Gott zugänglich macht. Aber die irdischen Augen genügen nicht, um ihn zu sehen. An die Stelle ihres Sehens tritt das Glauben. Wer das Wort Jesu von seiner vollkommenen Einheit mit dem Vater glaubt, der sieht in ihm den Vater.
Auf diesem Weg tritt die Welt in das Licht des Lebens. In sich selber ist die Welt und alles in ihr, gerade auch wir Menschen, der Vergänglichkeit und dem Tod verfallen und sie haben kein Mittel, um sich vor dem Tod zu bewahren. Mit Gott kommt das Licht des Lebens, weil er in sich die Fülle des Lebens ist. In der Person Jesu, wegen seiner vollkommenen Einheit mit dem Vater, geht für die Welt und alle Menschen das Licht des Lebens auf. Der Glaube an Jesus verbindet uns mit ihm und mit seinem Leben und er schenkt uns mit ihm das göttliche und unvergängliche Leben.
Die wahren Werte
Ohne Licht und in der Finsternis ist alles in gleicher Weise schwarz; nur das Licht lässt die Dinge der Welt in ihrer Gestalt und Farbe erkennen, macht sie zugänglich für ein genaueres Kennenlernen und Einschätzen. Auch in dieser Hinsicht ist Jesus das Licht. Durch ihn, durch sein Leben und seinen Weg, werden die Maßstäbe bekannt, nach denen alles in seinem wirklichen Wert erkannt werden kann, in seiner Bedeutung für den Weg zu Gott und für das Leben mit Gott. In diesem Licht sollen wir entscheiden, wie wir mit allem in der Welt umgehen im Hinblick auf unsere Beziehung zu Gott.
Mit seinem Wort „Ich bin das Licht der Welt“ stellt Jesus einen unerhörten Anspruch und gibt eine unerhörte Zusage. Als Licht des Lebens für die Welt macht er Gott zugänglich, zeigt den rechten Weg zu ihm und macht den wahren Wert aller Dinge sichtbar.
P. Dr. Klemens Stock SJ
em. Prof. für Neues Testament am päpstlichen Bibelinstitut