Die lästigen Fliegen
Es ist stickig schwül an diesem Tag. Kein Lufthauch, ein bleigrauer Himmel hängt tief. Hier in Jerusalem, der heiligen Stadt mit dem großartigen Tempel Gottes, ist es laut. Die Feiertage stehen vor der Tür, viele Leute eilen durch die schmalen Gassen. Es riecht nach Rauch, Brot und Gewürzen, die die Händler laut rufend verkaufen. Dunkelhäutige Sklaven tragen Körbe mit lebenden Hühnern, manche haben Fische und Lammfleisch aufgeladen, um die kommenden Paschatage üppig und angenehm zu feiern. Esel beladen mit Weinschläuchen stolpern über das steinige Pflaster, von ungeduldigen Treibern angetrieben. Und überall sind diese unangenehmen schwarzen Fliegen mit den schillernden Körpern...
Sami ist erst neun Jahre alt. Seine Eltern kennt er nicht, seine Großmutter ist gestorben. Niemand beachtet einen kleinen Buben, der sich Essensreste aus dem Müll sucht. Sein einziger Besitz ist ein kleines, scharfes Messer, das er in Stofflappen gewickelt am Leib trägt, wie er es von den Männern sieht.
Von ferne ist ein Tumult zu hören. Laute Rufe, Flüche, böse Reden, Ketten klirren. Frauen weinen und rufen, der Lärm kommt immer näher. Es geht bergauf in diesen Gassen. Die Menschen drängen sich an die Hauswände und blicken neugierig auf den Zug, der herankommt. Ein zum Tod Verurteilter schleppt mit unsicheren Schritten ein schweres Holzstück die schmale Gasse hinauf. Die Leute spucken aus, rufen „Verbrecher, Räuber, Lügner“ und noch viel Böseres. Der Mann ist mit Ketten an das Holz gefesselt. Die römischen Soldaten fluchen laut, sie treiben den Mann an, sie treten ihn mit den Füßen, aber er ist stumm und wehrt sich nicht. Die lästigen Fliegen umtanzen sein blutverschmiertes Gesicht. Er kann sie nicht verjagen, weil er keine Hand frei hat. Der Gefesselte bleibt einen Moment stehen, um Luft zu holen. Da springt Sami hin und verjagt die lästigen Biester mit dem Fetzen, den er um den Körper trägt. Sein einziger Schatz, sein Messer, fällt zu Boden, aber Sami achtet nicht darauf. Der gequälte Mann schaut auf, lächelt müde und ihre Blicke treffen sich. Noch nie im Leben war Sami so glücklich wie in diesem Augenblick. So viel Liebe hat er noch nie erlebt. Es war, als wäre er im Himmel.... Doch schon kommt einer der Soldaten, brüllt etwas und tritt mit dem Fuß nach dem Jungen. Die schaurige Prozession geht weiter, aber Sami schaut dem Verurteilten noch lange nach. Er ist so glücklich, dass ihm fast die Luft zum Atmen wegbleibt. Es ist plötzlich still rundherum. Sami schaut zu Boden und sieht sein Messer zwischen den Pflastersteinen liegen.
Diesen Tag hat Sami nie vergessen. Es hat nachmittags die Erde gebebt, es ist finster und ganz still geworden. Seltsame Gestalten hat man in den Gassen Jerusalems gesehen und die Menschen haben sich sehr gefürchtet, weil der prunkvolle Vorhang im Tempel auseinander gerissen ist...
Samuel, der Bettelbub, wollte sich an den Augenblick der Liebe erinnern und hat mit seinem einzigen Besitz, dem kleinen Messer, aus umherliegenden Holzstücken – Fliegen geschnitzt. Er hat sie schwarz bemalt und ihnen mit Öl einen schillernden Leib gemalt. Vielen Leuten hat das gefallen. Besonders die Reichen haben sie als Scherzartikel gekauft, um andere zu erschrecken. Nun hat Sami endlich genug zu essen gehabt. Hat sich der Gefolterte bei Sami für den Liebesdienst bedankt?
Jedenfalls gibt es bis heute viele Holzschnitzer in Israel, die Christen sind...
Liebe kids...
Diese Geschichte habe ich für euch erdichtet. Natürlich steht sie nicht in der Bibel.
Aber wer ist er?
Und nun das leichteste Rätsel seit langem:
Die Anfangsbuchstaben ergeben den Namen dessen, der dem kleinen Samuel begegnet ist.
1. Freudenruf
2. Ein liebevoller Geist
3. Ein Heilmittel
4. Wir beten das Vater...
5. Glückwunsch am Ende der Messe
In einem Mail an zent@rsk-ma.at kannst du eine Printversion der Zeitschrift erbitten und kannst dann die Aufgabe lösen.
Sendet die richtige Antwort an:
FRK, Postfach 695, A-1011 Wien;
Einsendeschluss: 15. Mai 2025.
Vergiss nicht, dein Alter anzugeben.
Schöne Bücher warten auf dich.
© Handgemaltes: Hannelore Forstreiter
© Foto Briefkasten: Klaus Brüheim/pixelio.de